In jedem Haus der Yoruba-Tradition — im Candomblé, in der Umbanda, in der Regla de Ocha — gibt es eine Geste, die vor allen anderen kommt: Exu isst zuerst. Vor dem Orisha des Hauses, vor dem Herrn des Kopfes, vor jeder Bitte. Es ist wohl die sichtbarste Regel der ganzen Liturgie, und die erste, die jeder Anfänger lernt.
Und die naheliegende Frage wird fast nie gestellt: warum?
Geht man in den Korpus, überrascht die Antwort. Es gibt nicht eine Erklärung — es gibt mehrere, und sie passen nicht zusammen. Reginaldo Prandi hat in Mitologia dos Orixás dreißig Exu-Mythen gesammelt — der größte Abschnitt des Buches —, und mindestens vier davon erklären den Vorrang auf Weisen, die einander ausschließen. In einem erhält Exu das Privileg durch Gehorsam. In einem anderen durch die Furcht, die sein Hunger weckt. In einem dritten — dem, den die kubanische Tradition erzählt — durch Dankbarkeit. Und in einem vierten fordert er schlicht den Platz ein, den man ihm verweigerte.
Diese Studie erzählt die vier Geschichten nach, zeigt, was jede über Exu sagt — und was die Existenz von vier Antworten über die Tradition selbst sagt. Unterwegs kommt sie an den vielen Namen des Boten vorbei: Eleguá, Elegbara, Legba, Bará.
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